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Gar nicht mal so klein. EM-Tagebuch (19)

BelgienFans
Belgiens Ella van Kerkhoven und Diede Lemey geben nach dem 6:1 EM-Quali-Sieg gegen Kroatien im Jahr 2019 einer Gruppe junger Fans Autogramme. © Steve Blandino | Dreamstime.com

Gestern Abend spielte Schweden gegen Belgien im Viertelfinale, die Entscheidung gab es erst in der zweiten Minute der Nachspielzeit durch ein Tor von Linda Sembrant. Vorher hatte Belgien, als einziger richtiger Underdog im Viertelfinale, auch dank starker Torhüterin Nicky Evrard alles verteidigt.

Schweden 1 : 0 Belgien

Ich war heute im Rasenfunk und es wurde bereits fort über die Partie gesprochen, deswegen halte ich es hier wieder kürzer. Erst einmal war es leider das erste Spiel bei dieser EM, das mich so richtig genervt hat, vor allem in Halbzeit zwei. Das lag zum Teil sicherlich auch daran, dass ich gestern sehr übermüdet war und auf keinen Fall eine Verlängerung sehen wollte.

 

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es diese Genervtheit auch auf schwedischer Seite gab, manchen Spielerinnen konnte man das bzw. das Abfallen mit Schlusspfiff ja sogar ansehen. Denn der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Belgien verteidigte mit allem, was es hatte, der Strafraum war dicht und wenn doch mal ein Schuss oder Kopfball durchkam, war da immer noch Torhüterin Nicky Evrard. Sie wurde völlig verdient am Ende die Spielerin des Spiels, das ist für Torhüterinnen sehr selten, vor allem für diejenigen auf der Verliererinnenseite.

 

Eine Statistik dazu gibt es unten, ich fand es aber auch interessant, dass alle ihrer Versuche, mit Kurzpass hinten raus zuspielen, auch tatsächlich gelangen. Das zeigt zum Beispiel, dass Schweden es nicht schaffte, sie entsprechend unter Druck zu setzen. Es gab eine Szene, in der das fast geklappt hätte, aber eben nur die eine.

 

Wenn es rein um die Defensive geht, ist Belgien also bestens aufgestellt, zumal der Ansatz nicht rein zerstörerisch war, sondern auch Konter einleiten sollte. Die Spielerinnen waren schon dafür positioniert. Nur gelang eben das herausspielen wie schon in den Spielen vorher viel zu häufig nicht. Das ist das, woran auf rein sportlicher Seite in Zukunft irgendwie gearbeitet werden sollte, an der Technik, aber auch Handlungsschnelligkeit im Angriff.

 

Das ist gar nicht so einfach und allein über das Nationalteam selbst vermutlich nicht zu lösen, weil es dort viel zu wenig Zeit gibt, mit den Spielerinnen zu arbeiten. Wichtig für diesen nächsten Entwicklungsschritt ist also die Arbeit der Spielerinnen in den Vereinen. Die belgische Liga spielt im internationalen Vergleich keine richtige Rolle, es gibt kaum echte Profispielerinnen und die besten wechseln ins Ausland.

 

Um überhaupt auf dieses Level zu kommen, muss aber trotzdem die Ausbildung besser sein. Der belgische Verband hat sich bereits im Jahr 2019 das Ziel gesetzt, bis 2024 die Anzahl der aktiven Spielerinnen von 40.000 auf 80.000 zu verdoppeln.

 

Es werden seitdem nach Angaben des KBVB außerdem “weitere 3 Millionen Euro zusätzlich zum bisherigen Budget” in den Fußball der Frauen investiert. Die erste Liga wurde seitdem überdies leicht vergrößert, es sind jetzt immerhin 11 Teams in der belgischen Super League. Die Vereinsnamen dort sind größtenteils aus dem Männerfußball bekannt, dafür sind dann die gebotenen Bedingungen bisher oft nicht professionell genug – ein bekanntes Problem.

 

Ähnlich wie bereits bei anderen Nationen im Laufe der EM und dieses Tagebuchs besprochen, geht es also auch hier in der Zukunft darum, diesen Push von der EM für eine nachhaltige Entwicklung mitzunehmen.

Zahl des Tages

Max hatte es im Rasenfunk schon angesprochen, Nicky Evrard hat während der EM die meisten Expected conceded goals, also erwarteten Gegentore, verhindert. Allein gestern gegen Schweden lag dieser Wert laut Wyscout bei 4,28.

 

Gemessen daran hat Evrard also 3 weitere Gegentore verhindert. Am stärksten in die Wertung fällt Stina Blackstenius Versuch aus extrem kurzer Distanz nach einer Ecke in der 33./34. Minute.

Expected conceded goals
0

Zitat des Tages

“Ich freue mich auch über die vielen Fotos, die ich aus Belgien bekomme. Das ist ein Novum für uns. Wenn ich sehe, dass unser Pressesprecher mir heute 17 Presseseiten aus Belgien geschickt hat, dann freue ich mich über dieses Interesse und die Berichterstattung. Mein Bruder hat mir sogar ein Bild von CNN geschickt! Ich konnte es nicht glauben. Wir freuen uns, dass die Belgier die Red Flames kennengelernt haben.”

 

Ives Serneels, Cheftrainer Belgiens vor dem Spiel.

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Fotocredit: Belgiens Ella van Kerkhoven und Diede Lemey geben nach dem 6:1 EM-Quali-Sieg gegen Kroatien im Jahr 2019 einer Gruppe junger Fans Autogramme. © Steve Blandino | Dreamstime.com